Foto: Claudia Mattern
Das Berliner Quartiersmanagement blickt auf 20 erfolgreiche Jahre zurück. Den Auftakt des Jubiläums bildete am 28. März 2019 eine Pressekonferenz im Nachbarschaftsheim Neukölln im Nord-Neuköllner Quartiersmanagementgebiet Körnerpark mit anschließendem Rundgang.

Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Katrin Lompscher kann sich an den Anfang des Städtebauförderungsprogramms Soziale Stadt mit 15 Quartiersmanagementgebieten gut erinnern. Das Ziel von Quartiersmanagement bestehe darin, benachteiligte Gebiete zu stabilisieren. Das Thema der sozialen Benachteiligung habe, erklärt Katrin Lompscher, an Brisanz zugenommen.
Heute muss sich Quartiersmanagement einer besonders großen Herausforderung stellen: Wie können Gebiete aufgewertet werden, ohne dass die Bewohner*innen verdrängt werden? Funktionieren könne dies nur, sagt Senatorin Lompscher, indem die sozio-integrativen und baulichen Maßnahmen mit mietenbegrenzender Politik verknüpft würden. Die Stabilisierung benachteiligter Quartiere ist eine gemeinsame Aufgabe von Senat und Bezirk.

Nach 20 Jahren Quartiersmanagement habe man erkannt, dass die Partizipation der Menschen vor Ort ausgeweitet werden muss. Denn nur zusammen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern kann die Stadt gestaltet werden, fasst die Senatorin zusammen. Das Motto der bundesdeutschen Stadtentwicklungspolitik lautet demnach auch „Stadt gemeinsam gestalten“.
Aktuell gibt es 34 Quartiersmanagementgebiete in Berlin. Neun davon werden Ende 2020 beendet, die gleiche Anzahl an Gebieten wird dann neu festgelegt. Die Laufzeit ist begrenzt: Wenn sich Strukturen stabilisiert haben, endet die Förderung nach einer Überleitungsphase. Zentrale Strukturen sollen langfristig gefördert werden.

Das Quartiersmanagement Körnerpark befindet sich derzeit in der Überleitungsphase. Träger ist die Mieterberatung Prenzlauer Berg, das Team wird sich Ende 2020 verabschieden. „Als wir im Oktober 2005 unser Büro bezogen haben, gehörte das Gebiet zu den ärmsten der Stadt“ erzählt Ulli Lautenschläger, Geschäftsführer der Mieterberatung Prenzlauer Berg. Die ersten Fördergelder im Gebiet wurden für die bauliche Aufwertung des Saals im Nachbarschaftsheim Neukölln verwendet, der damals eine Turnhalle war. Seitdem zählt die Einrichtung zu den wichtigsten Partnern des Quartiersmanagements Körnerpark.

12 Millionen Euro sind bislang in das Gebiet Körnerpark geflossen, berichtet Bezirksstadtrat Jochen Biedermann, zuständig für Stadtentwicklung, Soziales und Bürgerdienste in Neukölln. Das Geld wurde hauptsächlich zur Stärkung sozialer Infrastruktur verwendet. Es sei gut angelegtes Geld, so Stadtrat Biedermann, da in Neukölln noch immer sehr viele Menschen im Bezirk leben, die auf jene neu geschaffene soziale Infrastruktur angewiesen seien.

Der Rundgang durch das Gebiet Körnerpark zeigt auf, wie durch sozio-integrative und bauliche Maßnahmen sozial benachteiligte Quartiere gestärkt werden. An den Stationen Nachbarschaftsheim Neukölln, Spielelandschaft, einem neu gestalteten Spielplatz an der Schierker Straße, bei den Grundschulen Peter-Petersen- und Konrad-Agahd-Schule und bei der Freifläche des Friedhofs Thomashöhe schildern Ulli Lautenschläger, Dr. Astrid Tag, Öznur Büker und Wera Bille Saldanha vom Quartiersmanagement Körnerpark, die Quartiersrätinnen Franziska Zeisig und Heidemarie Sohnemann, Barbara Schünke, die Geschäftsführerin des Nachbarschaftsheimes Neukölln, Christian Hörr, Projektkoordinator der Coolen Kids und Peer Helper beim Nachbarschaftsheim Neukölln, sowie die Schulleiterinnen Hildegard Greif-Groß und Simone Schützmann die Quartiersentwicklung der letzten anderthalb Jahrzehnte.

Die Schierker Straße liegt zentral im Kiez und verfügt über viele Spiel-, Grün- und Freiflächen. Alle Spielplätze des Kiezes, das Nachbarschaftsheim Neukölln und der Hort der Konrad-Agahd-Schule befinden sich in der Schierker Straße. Für kleinere Kinder waren die Wege zwischen den unterschiedlichen Spielorten jedoch nicht ungefährlich. Die Idee, in der Straße eine Spielelandschaft zu gestalten, war daher naheliegend. Im Laufe der vergangenen 10 Jahre wurden in mehreren Etappen Bauprojekte umgesetzt. Beispielsweise ermöglichen so genannte „Gehwegvorstreckungen“ an zwei Straßen einen gefahrloseren Übergang der Straße. Durch die Schließung der Selkestraße entstand zwischen Nogat- und Schierker Straße eine Art Dorfplatz mit einer Rundbank um eine große Linde sowie runden Tischen und Bänken. An den neu geschaffenen Schierker Platz grenzen die Bolzplätze mit leuchtenden Bodenbelägen.

Quartiersmanagerin Dr. Astrid Tag entsinnt sich an den Zustand der Bolzplätze zu Beginn der Förderung 2005. „Dort haben Kinder auf Bolzplätzen mit kaputten Toren und desolatem Betonboden Fußball gespielt. Ich musste ihnen versprechen, dass hier etwas passiert.“ Bei der Neugestaltung der Bolzplätze spielte Bürgerbeteiligung eine große Rolle. Kinder und Jugendliche äußerten ihre Ideen für die Plätze: Den pinkfarbenen Bodenbelag hatten sich die Mädchen explizit für ihre Spielfläche gewünscht.

Die baulichen Umgestaltungen wurden von soziokulturellen Projekten, z.B. zur Umweltbildung für mehr Sauberkeit auf den Straßen und Plätzen und Antigewaltprojekten, begleitet.

Im Quartiersmanagementgebiet befinden sich ca. 14 Kitas in Erdgeschosswohnungen, die fast alle über keine eigene Freifläche zum Spielen verfügen. Das Defizit an Spielplätzen ist groß. Vor der Umgestaltung war auch der Spielplatz Schierker Straße, Ilse- und Nogatstraße in einem sehr schlechten Zustand und wurde kaum genutzt. Bürgerbeteiligung spielte auch bei dieser Baumaßnahme eine sehr wichtige Rolle. „Wir haben ein intensives Beteiligungsverfahren durchgeführt und Kinder, Erzieherinnen und Erzieher sowie Eltern miteinbezogen“, erklärt Quartiersmanagerin Öznur Büker. In Workshops bastelten und malten Kinder ihre Wünsche für den Spielplatz. Die Ergebnisse wurden im Rahmen von Bürgerinformationsveranstaltungen und beim Kiezfest präsentiert, sodass auch die übrige Nachbarschaft Ideen einbringen konnte. „Die Möglichkeit der Mitentscheidung bringt nicht nur die Menschen im Kiez miteinander ins Gespräch“, so Öznur Büker. „Es entsteht auch ein größeres Verantwortungsgefühl gegenüber den neu geschaffenen Dingen. Außerdem wird die Identifikation mit dem Kiez nachhaltig gestärkt.“

Im Gebiet Körnerpark leben knapp 12.500 Einwohner, das Gebiet ist sehr dicht bebaut. Die vorwiegend gründerzeitlichen Gebäude befinden sich größtenteils in Einzeleigentum von Privateigentümer*innen. Verdrängung durch rasant steigende Mieten ist auch in Nordneukölln ein großes Thema. Quartiersmanagerin Wera Bille Saldanha: „Die steigenden Mieten, der zunehmende Druck auf dem Wohnungsmarkt und die Angst der Bewohner vor Verdrängung sind für uns ernstzunehmende Themen. Sie werden in Projekten wie beispielsweise dem Diskussionsforum Körnerkiez aufgegriffen.“ Seit 2016 ist das Gebiet Körnerpark Milieuschutzgebiet. Um die Mieter vor Verdrängung zu schützen, wurde im Nachbarschaftsheim eine vom Bezirk beauftragte Mieterberatung eingerichtet.

An den beiden Grundschulen teilen sich rund 600 Schülerinnen und Schüler den Schulhof und die Turnhalle. Um mehr Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten in den Pausen zu schaffen, wurden auf dem gemeinsamen Schulhof Klettergerüste errichtet. Ab dem kommenden Schuljahr wird die Zahl der Hortkinder weiter steigen, weil dann alle Erst- und Zweitklässler*innen einen Anspruch auf einen Hortplatz haben. „Wir platzen förmlich aus den Nähten“, bestätigt Simone Schützmann, Schulleiterin der Konrad-Agahd-Schule. Insgesamt gibt es zu wenige Räume und Freiflächen für den Schulbetrieb und für den Nachmittagsbereich. Hildegard Greif-Groß, die Schulleiterin der Peter-Petersen-Schule, sieht das genauso.

In unmittelbarer Nachbarschaft liegt der Friedhof Thomashöhe, für den im Auftrag des Evangelischen Friedhofsverbands Berlin Stadtmitte ein Integriertes Friedhofsentwicklungskonzept für die Friedhöfe an der Hermannstraße (IFEK) erarbeitet wurde. Senatorin Lompscher verspricht, sich dafür stark zu machen, dass die Freifläche des Friedhofs Thomashöhe mit Fördermitteln gekauft und als Schulfreifläche umgestaltet wird.

Das Quartiersmanagementgebiet Körnerpark geht bis Ende 2020 in die Verstetigung über. Die Förderung für das Gebiet durch das Programm Soziale Stadt wird dann beendet sein. Bis dahin werden die wichtigsten Projekte in enger Zusammenarbeit mit dem Quartiersrat abgeschlossen und gemeinsam mit der Senatsverwaltung und dem Bezirksamt überlegt, wie zentrale Strukturen dauerhaft gesichert werden können. Im dafür erstellten Aktionsplan wird beschrieben, wie es weitergehen soll.

Text & Fotos: Claudia Mattern

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