Logo_ EmserianerEs ist kein neu entdeckter unbekannter Fisch der Tiefsee. Es hat nichts mit dem Emser Salz zu tun und auch nichts mit Marsianern. Emserianer sind Menschen wie du und ich. Sie leben in Neukölln,  vorzugsweise in der Emser Straße. Es ist eine neue Spezies, die sich nichts gefallen lassen will. Eine, die gegen den Strom schwimmt. Eine, die sich wehrt gegen: Mieterhöhungen durch Modernisierung, Gentrifizierung und Verdrängung. Die Emserianer möchten stattdessen bezahlbare Mieten für alle im Kiez und eine gute Nachbarschaft!

Was bisher geschah....

Die Emserianer trafen sich im Januar 2015 das erste Mal im Leuchtturm. Dort wurden die Nachbarn auf die Situation in der Emser Straße und Umgebung aufmerksam gemacht. Für die meisten Mieter waren Schreiben mit Mieterhöhungen und Modernisierungsankündigungen nichts Neues. Alle, denen ihr Zuhause lieb war, wussten, so kann es nicht weitergehen. Somit wurde eine Straßeninitiative gegründet - die Emserianer -, die sich für die Mitmenschen in ihrem Kiez einsetzt und ihnen hilft, ihre Rechte zu kennen und diese auch wahrzunehmen.

Daraufhin wurde ein Stammtisch ins Leben gerufen, der alle drei Wochen stattfindet, um weitere Aktivitäten zu planen. Dort tauchen regelmäßig neue Menschen mit tollen Ideen für die Straße auf. Die Stammtische sind somit auch eine gute Gelegenheit, diese Menschen zu vernetzen.

Die Emserianer entschlossen sich, in der Bürgersprechstunde im Rathaus Neukölln die Politiker auf die Entwicklung einer zunehmenden Gentrifizierung in ihrer Straße aufmerksam zu machen. Und sie fragten die Politiker, welche Mittel ihnen zur Verfügung stünden, um die ursprüngliche Bevölkerungsstruktur zu schützen. Aus Interna wussten sie bereits, dass in der BVV über einen Milieuschutz in zwei Kiezen Neuköllns nachgedacht wurde. Jedoch waren die Grenzen, wie groß diese Gebiete werden sollten, noch nicht festgelegt. Der Bereich sollte laut Emserianer so groß wie möglich sein, damit viele der Nachbarn etwas von diesem Gesetz haben und nicht ihren teilweise seit Jahrzehnten vertrauten Kiez verlassen müssen. Doch die Mühlen der Politik mahlen leider langsam.

Da nicht alle Nachbarn im Kiez über Internet verfügen, ließen sich die Emserianer für den Informationsaustausch etwas einfallen: Zehn Schautafeln hängen nun verteilt in Schaufenstern der Emser Straße. Es wird allgemein aufgeklärt: Wieviel kostet ein Mieterverein? Was kann ich tun, wenn ich eine Mieterhöhung bekomme? Außerdem werden aktuelle Termine verkündet. Momentan wird ein Booklet in Arabisch, Türkisch, Englisch und Deutsch erstellt. Dort sollen die Emserianer vorgestellt und nützliche Tipps und Adressen für Mieter*innen aufgelistet werden.

Immer häufiger werden in der Straße auch Makler mit potenziellen Käufern von Eigentumswohnungen gesichtet. Diese Wohnungsbesichtigungen finden in Anwesenheit der (Noch-) Mieter statt. Welche Gedanken gehen ihnen da wohl durch den Kopf, wenn fremde Leute in "deinen" Räumen stehen und spekulieren, wie die Zimmer umgestaltet werden könnten? .... Die Emserianer scheuen sich nicht, diese Kaufinteressenten anzusprechen und sie darauf aufmerksam zu machen, dass in diesen Wohnungen noch Menschen leben, die nicht nach Marzahn oder in andere Randgebiete Berlins verdrängt werden wollen. Doch Leute in schicken Anzügen, die offensichtlich nicht zum Kiez gehören, kann jeder ansprechen und sagen: Hier wohnen nicht irgendwelche Altlasten! Hier wohnen meine Nachbarn!

Desweiteren beteiligten sich die Emserianer an der Unterschriftenaktion für den Mietenvolksentscheid. Dabei kamen sie mit Leuten über deren Lebenssituation im Kiez ins Gespräch.

Als weitere Aktion ist zum Beispiel ein Nachbarschafts-Fest zur Veröffentlichung des oben erwähnten Booklets in Planung.

Theresia Haupt, Emserianer; Logo: Emserianer

Wer sich auch engagieren möchte für eine gute Nachbarschaft und das Recht, dass alle hier wohnen bleiben dürfen, kann sich gern melden bei: emserianer[at]posteo[.]de

Weitere Informationen und Stammtisch-Termine:
auf den Schautafeln im Bereich der Emser Straße und unter www.mietenbuendnis.de/emserkiez     

(erschienen in der Körnerpost. Quartierszeitung für den Körnerkiez, 92. Ausgabe, Juli / August 2015)

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