Foto: Claudia MatternStreet Football Workers für den Körnerkiez

Es ist noch gar nicht so lange her, da hieß es, gehst du auf der Schierker über die Straße, kriegst du Ärger. Achmed Emghames, 17, kann sich gut erinnern, als die Spielplätze im Körnerkiez noch untereinander verfeindet waren.

Seit ein paar Jahren ist es friedlicher geworden. Das liegt zum einen an den mit Mitteln des Quartiersmanagements finanzierten Projekten für Kinder und Jugendliche wie z.B. der Neugestaltung des Schierker Platzes. Zum anderen liegt es aber auch am Engagement des Vereins „…WEIL FUSSBALL VERBINDET! e.V.“, der sich für Fairness unter jungen Kiezbewohner/innen einsetzt.

Das Projekt „buntkicktgut – interkulturelle bolzplatzliga neukölln“ ist so ein Beispiel. Hier trainieren Can Do?an, 15, und Achmed Emghames, 17, ehrenamtlich als Street Football Workers mit ihren Teams. Street Football Work ist auf Selbstorganisation angelegt, das Training wird eigenverantwortlich organisiert. Die beiden Jugendlichen können dabei auf die langjährige Erfahrungen des Projektes im Straßenfußball zurückgreifen und nicht zuletzt darauf, dass sie selbst schon von klein auf Fußball spielen.

„Als Street Football Worker muss man wissen, wie Gruppendynamik funktioniert, wie man Kinder motiviert und sie am Ball hält“, berichtet André Ruschkowski von „...WEIL FUSSBALL VERBINDET! e.V.“, der die derzeit sechs Nord-Neuköllner Street Football Worker anleitet. Vor zwei Jahren hat Can als Co-Trainer an der Peter-Petersen Schule begonnen, denn seine ehemalige Grundschule liegt ihm sehr am Herzen. Mittlerweile trainiert er das Team in weiten Teilen eigenverantwortlich. Achmed ist schon mehrere Jahre im Projekt aktiv und trainiert seit letztem Jahr das berlinweit bekannte Oléy!!!-Team.

Im Gegensatz zum leistungsorientierten Vereinsfußball geht es beim Streetfootball darum, dass jede/r mitmachen kann. Bei den Turnieren können die Teams bunt gemischt antreten, Mädchen genauso wie Jungs, unabhängig von Hauptfarbe oder Religion.

In Neukölln startete buntkicktgut im Rahmen des Flutlichtcups im Oktober 2013, das Projekt gibt es aber schon viel länger. Ins Leben gerufen wurde es 1997 von Rüdiger Heid in München, mittlerweile gibt es weitere Standorte in z.B. Dortmund und Würzburg. Beim Projekt "Street Football Work" in Berlin erhalten Jugendliche eine ca. zweijährige Schulung mit regelmäßigen Workshop-Wochenenden in München sowie Reisen zu Turnieren, am Ende bekommen sie ein Zertifikat. Freie Street Football Workers, die nicht an eine Einrichtung gebunden sind, werden zudem mit Trainingsmaterial unterstützt und bekommen monatlich 20 € für die Mannschaftskasse. Ebenso wichtig ist es aber auch, dass sie als Trainer/in im Kiez geschätzt sind. Denn Vorbild für ihre Teams zu sein, das ist den beiden Street Football Workers aus dem Körnerkiez sehr wichtig. „Wir machen es freiwillig für die Kleinen, weil damals auch für uns etwas getan wurde. Wir versuchen, Vorbilder zu sein, indem wir Disziplin zeigen, damit wir ihnen auch Disziplin beibringen können“ erklärt Achmed.

Zwar gibt es seit letztem Jahr neben dem "Oléy!!!"-Team auch die "Oleydies" - Straßenfußball für junge Großstadt-Frauen, doch an weiblichen Street Football Workers mangelt es bislang noch. André Ruschkowski hat jedoch einiges vor. Eine Kooperation mit dem Berliner Fußballverband (BfV) und dem Landessportbund schwebt ihm vor, um ehrenamtlichen Trainern wie Can und Achmed zur Weiterqualifizierung einen Grundlehrgang beim BfV und die Jugendleiter/in-Card „Juleica“ vermitteln zu können. Aktuell wird buntkicktgut von der Hypovereinsbank finanziell unterstützt. Doch schon kurzfristig werden weitere Finanzierungsmöglichkeiten dringend benötigt.

Da im Körnerkiez keine Sporthalle für die monatlichen Turniere zur Verfügung steht, finden diese in der kalten Jahreszeit in der neuen Quartiershalle auf dem Campus Rütli im Reuterkiez statt.

So viel ist sicher: Fußball zieht seit Jahrzehnten Menschen jeden Alters an, das wird sich so schnell nicht ändern. Wird Fußball auf der Straße gespielt, ist es Subkultur und damit noch ein bisschen cooler.

Text / Foto: Claudia Mattern

Streetfootball-Training jeden Montag von 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr mit Can in der Halle der Peter-Petersen-Schule, Jonasstr. 15 und jeden Sonntag ab 11:30 Uhr mit Achmed auf dem Schierker Platz - Neulinge sind jederzeit willkommen!

Kontakt: a.ruschkowski[at]buntkicktgut[.]de
oder bei Facebook -> interkulturelle bolzplatzliga neukoelln

(in gekürzter Version erschienen in der Körnerpost, Quartierszeitung für den Körnerpark, 79. Ausgabe, März 2014)

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