Straight to the art

Jason Benedict; Foto: Claudia MatternJason Benedict

Es gibt Menschen, die wissen mit sechs oder acht schon, dass sie Feuerwehrmann oder Tierärztin werden wollen. Wenn sich einer so früh die Kunst ausgesucht hat und die Sache tatsächlich durchzieht, überrascht das dann doch.

Zur Kunst berufen fühlte sich Jason Benedict aus Seattle, USA, schon als Kind, da wusste er noch nicht mal, was genau das ist. Tatsächlich schaffte er es mit 18 an eine renommierte Kunstuniversität in Chicago. Später arbeitete er an der Oper in Madrid. Denn als er nach der Studienzeit mit der Frage nach dem Überleben als Künstler konfrontiert wurde, wurde es komplizierter. "An der Kunsthochschule zeigen sie dir diese Business-Seite der Kunstwelt nicht" erklärt er. "Sie wollen nicht ihren Tempel mit solchen Fragen beschmutzen, wie man das Geld verdient, um die Miete für sein Atelier zu bezahlen."

Er lernte Bühnenbau, Kulissenbau, Bühnentechnik am Theater und war auf dem besten Weg, am Theater von John Malkovich Karriere zu machen. Doch weil das weit entfernt von seiner eigenen Kunst war, verzichtete er und ging nach Europa, wo das Interesse an seiner künstlerischen Arbeit weitaus größer schien. Es folgte eine erfolgreiche Zeit in Madrid, wo er es schaffte, nur von seiner Kunst zu leben. Als die Finanzkrise dazukam, schlossen 33 Galerien in Madrid auf einmal, darunter auch die, die ihn vertrat. 

Vor allem der Austausch mit anderen Künstlern hatte ihm in Madrid gefehlt, deshalb zog er in Berlin mit anderen Künstlern in eine Ateliergemeinschaft. Vor drei Jahren gründeten sie zusammen mit Nadine Lorenz und Christina Benedict den WerkStadt Kulturverein Berlin e.V. Von einem großen Gemeinschaftsprojekt mit anderen Künstlern hatte er  immer geträumt. Man schaffe mit vielen Leuten viel mehr als alleine, sagt er, und genau dieses Gemeinschaftsgefühl fasziniert ihn im Kiez. "Das hat man nicht oft in einer Großstadt, es hat mir von der ersten Woche an gefallen. Die Energie, die in diesem Kiez steckt, ist sehr spannend. Es gibt hier so viele interessante Leute, die etwas aufbauen wollen. In Bezirken wie z.B. Kreuzberg ist alles schon viel statischer."

Mittlerweile ist die WerkStadt dabei, ihre Angebote zu professionalisieren. Jason Benedict ist als künstlerischer Leiter für die Ausstellungen zuständig. Als Mitverantwortlicher der Kunstfiliale betreut er außerdem mit Britta Helbig die Kunstaktionen, Nachtundnebel und den Art Grain Kunstgang am 25. November. An dem kuratierten Rundgang nahmen rund 40 Künstler teil, darunter auch er selbst. Deren internationale Ausrichtung ist auch sein erklärtes Ziel, an das er wieder anknüpfen möchte.

Neben seiner eigenen künstlerischen Arbeit und der Projektarbeit für die WerkStadt und die Kunstfiliale ist er in Museen und Galerien im Ausstellungsaufbau tätig. Zudem hat er mit einem Aufbau-Studium zum Kurator an der UdK Berlin begonnen.

Als amerikanischer Einwanderer hat er Schwierigkeiten mit der Einseitigkeit, mit der zum Teil über das Thema Integration berichtet wird. Das Bild von Neukölln beispielsweise in der Boulevard-Presse und sein eigenes Erleben als Bewohner seien zwei völlig unterschiedliche Welten. Er wüsste gerne mal, wie seine türkischen Nachbarn über das Thema denken.

Ansehen kann man sich die Kunst von Jason Benedict übrigens im KunstSatelliten in der Nogatstraße 39, dem neuen WerkStadt-Standort. In Madrid war er zwar sehr produktiv, hat aber auch darunter gelitten, dass keiner in sein Atelier gekommen ist. Dass ausgerechnet Berlin nun aufgeschlossener ist als das südländische Madrid? Es geschehen doch noch Wunder.

Text / Foto: Claudia Mattern

Kontakt: www.jasonbenedict.com

(erschienen in der Körnerpost. Quartierszeitung für den Körnerpark, 47. Ausgabe, Dezember 2010 / Januar 2011)